Du hast ihm das alles nie erzählt. Du hast nur Dein Smartphone benutzt. Du hast gesucht, eine Route geplant, ein Video angesehen, mit Karte bezahlt oder eine App geöffnet.
Jede einzelne Information wirkt belanglos. Zusammen sind sie es nicht. Aus vielen unscheinbaren Spuren kann ein Bild entstehen, das Du selbst niemals bewusst von Dir gezeichnet hast.
Dein digitaler Zwilling
Stell Dir vor, jemand würde Dich ein Jahr lang begleiten und sich Notizen machen: wann Du das Haus verlässt, welche Orte Du besuchst, wonach Du suchst, was Du kaufst, welche Menschen Dir wichtig sind und bei welchen Themen Du länger hinsiehst.
Digital geschieht etwas Ähnliches – automatisiert und verteilt über Apps, Webseiten, Plattformen, Werbenetzwerke und Geräte. Aus Standort, Suchanfragen, Käufen, Kontakten, Nutzungszeiten und Interessen entsteht nach und nach ein Modell Deiner Gewohnheiten und Deines Verhaltens.
Ein Standortpunkt allein sagt wenig. Viele Standortpunkte verraten vielleicht Deinen Arbeitsweg, Dein Zuhause und Orte, die Du regelmäßig besuchst. Eine Suchanfrage ist nur eine Frage. Viele Suchanfragen können zeigen, welches Problem Dich gerade beschäftigt. Ein einzelner Klick ist kaum aussagekräftig. Tausende Klicks ergeben ein Muster.
So wird aus „irgendeinem Nutzer“ mit der Zeit ein erstaunlich genau beschriebenes Gegenüber: jemand, der nachts nach bestimmten Themen sucht, auf manche Überschriften sofort reagiert und sich seit Tagen für ein bestimmtes Produkt interessiert.
Dieses Modell muss nicht wissen, ob Du Anna Schmidt oder Peter Müller heißt. Es genügt, Dich zuverlässig wiederzuerkennen und neue Daten demselben Profil zuzuordnen. Dann wird irgendwann nicht mehr nur interessant, wer Du bist, sondern was Du wahrscheinlich als Nächstes tun wirst.
Vielleicht erkennt das Profil, dass Du gerade unsicher bist, schlecht schläfst, über einen Kauf nachdenkst oder auf ein bestimmtes Thema besonders emotional reagierst. Genau in diesem Moment kann es entscheiden, welche Werbung, Empfehlung oder Nachricht vor Dir erscheint.
Ein digitaler Zwilling braucht kein Namensschild, um wertvoll zu sein.
Nicht Dein Name macht Deine Daten wertvoll. Das Muster macht sie wertvoll.
Die Datensammlung endet nicht am Bildschirm
Smartphone und Browser sind nur ein Teil unserer digitalen Umgebung. Fernseher, Autos, Türklingeln, Sprachassistenten und Haushaltsgeräte können Sensoren besitzen, Daten erzeugen oder mit Internetdiensten kommunizieren.
Wie unerwartet das werden kann, zeigte ein Fall, der 2022 öffentlich bekannt wurde. Speziell ausgestattete iRobot-Entwicklungsgeräte hatten in privaten Wohnungen Bilder aufgenommen. Externe Beschäftigte sollten diese Aufnahmen für das Training der Bilderkennung markieren.
Eine Aufnahme zeigte eine Frau auf einer Toilette. Einige Bilder gelangten später in private Gruppen im Internet. Laut iRobot handelte es sich dabei nicht um regulär verkaufte Verbrauchermodelle, sondern um Entwicklungsgeräte, die Testpersonen zur Verfügung gestellt worden waren.

Quelle: MIT Technology Review: A Roomba recorded a woman on the toilet
Das ist ein extremes Beispiel. Aber es zeigt: Daten entstehen längst nicht mehr nur dort, wo wir bewusst auf „Senden“ drücken. Etwas, das als technisches Trainingsmaterial begann, wurde plötzlich zum Bild eines höchst privaten Moments auf fremden Bildschirmen. Es zeigt in erschreckender Weise, was technisch möglich ist – und technische Möglichkeiten wecken immer Begehrlichkeiten.
Oft bemerken wir weder, welche Sensoren gerade aktiv sind, noch wohin die Informationen fließen. Und selbst wenn ein heutiger Zweck nachvollziehbar erscheint, bleibt die Frage, wer später Zugriff erhält und in welchem Zusammenhang die Daten erneut verwendet werden.
Bis hierhin könnte man immer noch sagen: Na und? Dann wissen die eben etwas über mich.
Doch Daten können nicht nur benutzt werden, um Dich zu kennen. Sie können dabei helfen, den richtigen Moment, den richtigen Reiz und den richtigen Ausschnitt der Wirklichkeit für Dich auszuwählen.
Deine Wirklichkeit wird für Dich ausgewählt
Stell Dir zwei Menschen vor. Beide leben in derselben Welt und öffnen morgens dieselbe App.
Der eine sieht überwiegend Berichte über Kriminalität, Konflikte, wirtschaftliche Probleme und Niedergang. Der andere sieht Hilfsbereitschaft, erfolgreiche Projekte, Fortschritt und positive Entwicklungen.
Keine dieser Nachrichten muss erfunden sein. Beide Menschen können ausschließlich wahre Informationen sehen. Es reicht, jedem von ihnen immer wieder einen anderen Ausschnitt derselben Wirklichkeit zu zeigen.

Gleiche Welt. Andere Auswahl. Anderes Weltbild.
Ein System kann lernen, worauf Du klickst, was Dich emotionalisiert, was Dich ärgert, was Dich neugierig macht und bei welchen Inhalten Du hängen bleibst. Daraufhin kann es auswählen, was Du häufiger zu sehen bekommst.
Welche Nachricht erscheint oben? Welches Video beginnt danach? Welcher Beitrag wird empfohlen, welches Suchergebnis zuerst gezeigt? Wir alle sehen nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was jeden Tag geschieht. Irgendjemand – oder zunehmend ein Algorithmus – wählt für Dich aus.
Doch Algorithmen entstehen nicht von selbst. Sie werden von Menschen programmiert, mit Zielen versehen und durch Geschäftsmodelle geprägt. Was, wenn jemand ein Interesse daran hat, Dir ein bestimmtes Bild der Wirklichkeit zu vermitteln? Wer Informationsflüsse kontrolliert, kann beeinflussen, was Menschen für wichtig, wahr oder bedrohlich halten – und damit weit mehr als einzelne Kaufentscheidungen: gesellschaftliche Stimmungen, politische Entscheidungen und im äußersten Fall sogar Entscheidungen über Krieg und Frieden.
Dafür braucht es keine große Verschwörung und keine erfundenen Nachrichten. Vielleicht besteht das Ziel nur darin, dass Du länger auf einer Plattform bleibst, mehr klickst oder mehr kaufst. Doch aus Deiner Sicht bleibt das Ergebnis dasselbe: Ein System, das Deine empfindlichen Punkte kennt, entscheidet mit darüber, welcher Ausschnitt der Welt Deine Aufmerksamkeit bekommt.
Wenn ein System gleichzeitig viel über Dich weiß und darüber entscheidet, welche Informationen als Nächstes vor Dir erscheinen, entsteht eine Macht, die wir zumindest verstehen und begrenzen sollten.
Das bedeutet nicht, dass Menschen beliebig ferngesteuert werden können. Personalisierung kann nützlich sein, und ihre Wirkung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Aber digitale Informationsauswahl kann Verhalten beeinflussen – abhängig von Kontext, Person und Situation.
61 Millionen Menschen. Ein Experiment.
Bei den US-Kongresswahlen 2010 untersuchten Forschende gemeinsam mit Facebook, welchen Einfluss unterschiedliche Botschaften zur Wahlbeteiligung haben. Rund 61 Millionen Menschen nahmen an dem randomisierten Experiment teil.
Eine Variante zeigte zusätzlich, welche Freunde bereits angegeben hatten, gewählt zu haben. Die Forschenden beobachteten nicht nur Reaktionen innerhalb von Facebook, sondern auch einen kleinen, messbaren Effekt auf das reale Wahlverhalten.
Eine Information auf einem Bildschirm hatte Verhalten außerhalb des Bildschirms beeinflusst.
Die Studie beweist keine beliebige Steuerbarkeit. Sie belegt etwas Nüchterneres – und gerade deshalb Bemerkenswertes: Welche Information wir sehen und in welchem sozialen Zusammenhang wir sie sehen, kann mitbeeinflussen, was wir anschließend tun.
Originalstudie: Nature – A 61-million-person experiment in social influence and political mobilization
Wie viel von Deinem Weltbild hast eigentlich Du selbst gewählt – und wie viel davon wurde für Dich vorsortiert?
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Datenschutz aufhört, ein technisches Randthema zu sein. Es geht nicht mehr nur darum, wer Deine E-Mail-Adresse kennt. Es geht um die Bedingungen, unter denen Du Entscheidungen triffst.
„Ich habe doch nichts zu verbergen.“
Darum geht es bei Privatsphäre nicht. Wir schließen die Badezimmertür, zeigen nicht jedem unser Konto und lassen Fremde nicht unsere Post lesen. Nicht weil wir etwas Verbotenes tun, sondern weil es unser Leben ist.
Privatsphäre bedeutet nicht, etwas zu verstecken. Privatsphäre bedeutet, selbst zu entscheiden, wer was über Dich weiß.
Es geht also nicht nur um Adressen, Telefonnummern oder Geburtsdaten. Es geht um Gewohnheiten, Beziehungen, Interessen und persönliche Momente – und damit um die Möglichkeit, Grenzen selbst zu setzen.
Was einmal gesammelt wurde
Unternehmen wechseln Eigentümer. Geschäftsmodelle ändern sich. Datenbanken werden gehackt, Dienstleister machen Fehler und Informationen können später für andere Zwecke verwendet werden als ursprünglich gedacht.
Niemand kann heute verlässlich garantieren, was in zehn oder zwanzig Jahren mit einer heute gespeicherten Information geschieht. Was in einem harmlosen Zusammenhang entstand, kann später mit anderen Daten verbunden werden und plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen.
Was gar nicht erst unnötig gesammelt wird, kann später auch nicht gestohlen, verkauft oder zweckentfremdet werden.
Datensparsamkeit ist deshalb keine Technikfeindlichkeit. Sie ist Vorsorge.
Aber was ist mit Deinem Geld?
Du kannst Deine Daten selbst speichern. Du kannst Dein Smartphone, Deinen Computer und Deine Server unter Deine Kontrolle bringen.
Aber wie sieht es mit Deinem Geld aus?
Es gibt genügend Beispiele dafür, dass Konten eingefroren oder gekündigt werden, Menschen den Zugang zu Zahlungsdiensten verlieren oder Vermögenswerte durch Sanktionen blockiert werden.
Ob die jeweilige Maßnahme berechtigt war oder nicht, ist für die grundsätzliche Frage gar nicht entscheidend. Sie zeigt etwas anderes: Wer Geld über eine Bank oder einen anderen Finanzdienstleister nutzt, ist darauf angewiesen, dass dieser Dritte den Zugang ermöglicht.
Ein rechtlicher Anspruch bleibt ein rechtlicher Anspruch. Aber rechtlicher Anspruch und tatsächliche technische Kontrolle sind nicht dasselbe.
Solange Dein Geld bei einer Bank liegt, hast nicht ausschließlich Du die technische Kontrolle darüber.
Was wäre, wenn das anders ginge?
Was wäre, wenn Du digitales Geld besitzen könntest, ohne dafür auf das Versprechen einer Bank angewiesen zu sein?
Wenn Du selbst die Schlüssel hältst.
Wenn keine einzelne Institution Dein Konto führt.
Wenn Du selbst überprüfen kannst, ob die Regeln eingehalten werden.
Bitcoin.

Genau hier wird Bitcoin für uns interessant.
Nicht als Spekulationsobjekt. Nicht wegen irgendwelcher Kursprognosen. Sondern als weiterer Baustein digitaler Selbstbestimmung.
Wer Bitcoin selbst verwahrt, kann die Schlüssel selbst kontrollieren. Mit einer eigenen Node kannst Du darüber hinaus die Regeln des Bitcoin-Netzwerks und Deine Transaktionen selbst überprüfen, statt dafür einem fremden Server vertrauen zu müssen.
Selbstverwahrung bedeutet zugleich Eigenverantwortung: Wer die Schlüssel selbst hält, muss sie auch zuverlässig sichern.
GrapheneOS gibt Dir mehr Kontrolle über Dein Smartphone.
Linux über Deinen Computer.
Eigene Server über Deine Daten.
Bitcoin ermöglicht Dir, digitales Geld selbst zu verwahren.
Deine Technik. Deine Daten. Dein Geld. Deine Entscheidung.
Und genau deshalb gibt es LinuxPassion.
Wir wollen moderne Technik nutzen. Wir wollen Smartphones, Navigation, Kommunikation und zeitgemäße Unternehmens-IT. Wir wollen keine digitale Isolation.
Wir wollen lediglich dort Kontrolle behalten, wo es sinnvoll möglich ist. Deshalb beschäftigen wir uns mit GrapheneOS, Linux, Pi-hole, Bitcoin, offenen Systemen und eigener oder kontrollierbarer Server-Infrastruktur. Auch Unternehmen unterstützen wir dabei, Geschäftsdaten nicht unnötig fremden Plattformen anzuvertrauen.
Keine dieser Lösungen macht Dich plötzlich unsichtbar. Das versprechen wir nicht. Wir stellen bei Technik nur immer wieder dieselbe Frage: Muss diese Information wirklich übertragen und gespeichert werden?
Manchmal ist die Antwort Ja. Manchmal braucht es einen bewussten Kompromiss. Aber diese Entscheidung sollte möglichst bei dem Menschen oder Unternehmen liegen, dessen Daten betroffen sind – nicht unbemerkt in den Voreinstellungen irgendeines Dienstes.
Das sind für uns keine Produkte um ihrer selbst willen. Es sind Werkzeuge, mit denen wir Dir ein Stück Kontrolle zurückgeben.